Die Campagneschule ist eine Ausbildungsstufe der klassischen Reitkunst und beinhaltet die umfangreiche Grundausbildung des Reitpferdes. Angestrebt wird ein sehr hoher Grad von Rittigkeit des Gebrauchspferdes, also des Jagd- oder Militärpferdes, aber auch des Sport- und Spazierreitpferdes. Dazu lernt das junge Pferd in der Remonteschule zunächst „in natürlicher Haltung und natürlichen Gängen die Zügel in der Tiefe zu suchen“. Danach folgt die „Befestigung in der Haltung, Erzielung schwungvoller Tritte, Verbesserung der seitlichen Biegung und eine allmähliche Versammlung in allen Tempi“ (niedere Campagneschule). Die Arbeit mündet schließlich in Lektionen, die „Versammlung und Tragkraft der Hinterhand steigern und damit eine höhere Aufrichtung erreichen“ (höhere Campagneschule).*


Ein so ausgebildetes Pferd ist bequem und sicher zu reiten. Hinzu kommt, dass nur ein korrekt ausgebildetes Pferd in der Lage ist, seinen Reiter über lange Zeit ohne Schaden zu tragen.


Was zunächst ein wenig nach „guter alter Zeit“ klingt, ist also im Grunde genau das, was sich viele so genannte „Freizeitreiter“ heute wünschen. Sie wollen gesunde, sichere, gehorsame Pferde, mit denen das Reiten in der Bahn und im Gelände Freude macht. Schon auf dem Weg dorthin steht der Wunsch nach einem harmonischen, entspannten Miteinander von Mensch und Pferd im Vordergrund, und genau das wird allzu oft durch mangelnde oder schlechte Ausbildung getrübt.


In diesem Sinne möchte ich die alte Idee der Campagneschule als Ausbildungsweg für Freizeitpferde aufgreifen und durch einige neue Elemente sinnvoll ergänzen. Ich möchte allen interessierten Reitern Mut machen, sich auf den Weg der Reitkunst zu begeben, und ich würde mich freuen, wenn Sie dieser Weg zur Dressurgymnastik für Freizeitpferde  in die Campagneschule führt.



*aus: Anleitung für den Aufbau der Kampagneschule auf Grund der Reitvorschrift von 1912/1926, Selbstverlag der Kavallerieschule Hannover, 1934